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Interview mit Nati Schiffsführerin
Mit 27 Jahren sitzt Nati Koch bereits dort, wo viele hinwollen: im Steuerhaus der Zugersee Schiffe. Nach vier Jahren als Matrosin macht die Mettmenstetterin aktuell die Ausbildung zur Schiffsführerin.
Nati, weshalb hast du dich für die Ausbildung zur Schiffsführerin entschieden?
Die Idee kam ursprünglich nicht von mir selbst. Mein Chef hat mich gefragt, ob ich mir diesen Schritt vorstellen könnte. Zuerst war ich ehrlich gesagt etwas überrumpelt und musste mir das durch den Kopf gehen lassen. Man trägt als Schiffsführerin natürlich eine grosse Verantwortung. Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr fand ich: Doch, das möchte ich wagen.
Wie läuft die Ausbildung konkret ab?
Von Januar bis März hatten wir Schule, danach die theoretische Prüfung. Jetzt folgen die praktischen Fahrstunden. Dabei üben wir zum Beispiel das Anfahren an den Steg oder verschiedene Rollenübungen. Wenn ich so weit bin, werde ich dann auch auf Kursfahrten eingesetzt.
Es gibt zwar eine Mindestanzahl Stunden für die praktische Prüfung. Aber entscheidend ist weniger die Zahl als das Gefühl fürs Schiff. Voraussetzung bei uns auf dem Zugersee ist ausserdem, dass man vorher als Matrosin gearbeitet hat – so man kennt den See, das Schiff und die ganze Mannschaft bereits sehr gut.
Wo stehst du aktuell in der Ausbildung?
Im Moment mache ich die Fahrstunden noch ohne Passagiere. Das Wichtigste ist die Routine. Auf dem Wasser ist vieles anders als beim Autofahren. Ein Schiff bewegt sich ständig, wegen Wind und Wellen. Man kann nicht einfach anhalten. Dieses Gespür muss man entwickeln.
Wovor hast du auf dem See am meisten Respekt?
Etwa vor den Wetterverhältnissen. Der Wind kann sich innert Sekunden verändern. Wir beobachten die Bugfähnchen oder die Fahnen an den Stationen, um einzuschätzen, wie der Wind steht. Trotzdem kann plötzlich eine Böe aus einer ganz anderen Richtung kommen. Ein Schiff hat eine grosse Angriffsfläche. Darauf richtig zu reagieren, braucht Erfahrung. Ich finde, Respekt ist wichtig – den darf man nie verlieren, egal, wie lange man den Beruf schon macht.
Was gefällt dir besonders an deinem Beruf?
Es ist einfach ein wunderschöner Arbeitsplatz. Wenn man im Steuerhaus sitzt, über den See schaut und weiss: Ich steuere dieses Schiff – das ist jedes Mal ein spezieller Moment.
Ich mag auch den Kontakt mit den Gästen sehr. Man ist draussen auf dem Wasser, erlebt jeden Tag anders, und trotzdem bleibt der Gästekontakt auch als Schiffsführerin ein wichtiger Teil des Berufs.
Du bist aktuell die einzige Frau in dieser Ausbildung bei der Zugersee Schifffahrt. Spürst du das im Alltag?
Ich werde von allen sehr unterstützt. Unsere Schiffsführer haben viele schöne, aber auch stürmische Zeiten erlebt und geben diese Erfahrungen weiter, davon kann ich profitieren. Wir haben wirklich ein tolles Team und ich habe nie das Gefühl, mich als Frau beweisen zu müssen.
Was bedeutet es für dich, später einmal als Schiffsführerin Verantwortung zu tragen?
Als Schiffsführerin ist man eine Autoritätsperson. Gerade in schwierigen Situationen oder bei schlechtem Wetter muss man ruhig bleiben, Entscheidungen treffen und klare Anweisungen geben können. Solche Situationen trainieren wir in Rollenübungen. So sind wir gut vorbereitet – nicht nur technisch, sondern auch im Umgang mit Passagieren. Auf einem Schiff muss klar sein: Was der Schiffsführer oder die Schiffsführerin sagt, gilt.

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