Zugerland Verkehrsbetriebe

Im Gespräch mit einem Schiffshistoriker

Von Heinz Amstad erfahren wir mehr über
die Historie der Schifffahrt auf dem Zugersee.

Wie sind Sie zu der Thematik Schifffahrt gekommen, wieso haben Sie darauf einen Fokus gesetzt?
Wieso auch immer: Die Leidenschaft Schifffahrt und Schiffe geht zurück ins junge Kindesalter. Meine Eltern haben mir Anekdoten erzählt, an die ich mich nicht mehr erinnern kann. So soll ich in die «Hosen gemacht» haben, als in meinem Wohnort Beckenried ein Dampfschiff an der Schifflände angekommen ist ... Die ersten schriftlichen «Dokumente» von mir waren keine Wörter aus dem ABC, sondern das Protokoll der ankommenden Schiffe, die während den Schulstunden in Beckenried ankamen. Zum Glück hatte ich in der Schule einen Fensterplatz.

Wo haben Sie Informationen zur Schifffahrt gefunden und wie sind diese belegt?
In meiner Jugendzeit war Fachliteratur über die Schweizer Passagierschifffahrt Mangelware. Einzig eine «Schifffahrtsbibel», wie wir Schiffshistoriker die Hefte 11 und 12 des Lieferungswerkes «Die Industrielle und Kommerzielle Schweiz» aus dem Jahr 1907 nennen und ein Büchlein von Anton Räber mit dem Titel «Schiffahrt auf den Schweizer Seen» von 1963 waren verfügbar. So begann ich, zusammen mit gleichaltrigen Gleichgesinnten selbst Informationen zu recherchieren, Leute zu interviewen, Geschäftsberichte zu lesen, Fotos zu machen und Berichte zu verfassen. Während 33 Jahren war ich auch Mitherausgeber der Dampferzeitung, eine inzwischen im 51. Jahrgang erscheinende Periodika über die Passagierschifffahrt.

Gab es ein spezielles Ereignis, welches besonders heraussticht?
Da ich mich mehr oder weniger alle Seen und Flüsse in Europa interessieren, beschränke ich mich hier auf den jubilierenden Zugersee. Unvergesslich bleibt 1978 eine Fahrt mit der alten «Rigi» (II), wo wir von der Dampferzeitung eine Abschiedsfahrt organisiert haben. Ein halbes Jahr später kam der ehemalige Dampfer just an dem Tag unter die Schneidebrenner, als ich in Zug als Sekundarlehrer ein Vorstellungsgespräch hatte; warum auch immer hatte ich den Fotoapparat dabei …

Eindrücklich war die Wasserung der «Schwyz» II in Oberwil 1997. Das Schiff fuhr zuerst mit eigener Kraft von der Werft in Kressbronn über den Bodensee und gelangte dann als Ganzes auf dem Tieflader ins Zugerland. Wegen Brücken und engen Durchfahrten führte der Weg für den Konvoi von Edlibach her nach Zug, wo es aber am Kolinplatz kein Durchkommen mehr gab. So fuhr das Zweideckschiff über die Fadenstrasse, wo Bäume und zahlreiche Sträucher ein «Facelifting» bekamen und die Bewohner nachts aufschreckten, als sie ein veritables Passagierschiff dicht vor ihrem Fenster die Strasse hochfahren sahen. Über die Bohl- und Zugerbergstrasse gelangte die «Schwyz» dann zum Casino, um schliesslich via Artherstrasse in Oberwil bei der Kapelle mit Hilfe eines riesigen Kranes endlich ins Zielgewässer zu gelangen.

Welches Schiff hat wohl die aussergewöhnlichste Geschichte auf dem Zugersee und wieso?
Da sind zwei Schiffe zu erwähnen: der Salonraddampfer Helvetia und s’«Schwänli». 1876 in Betrieb genommen bildete der dritte Raddampfer des Zugersees, die «Helvetia», das erste Salonschiff auf dem Zugersee. Als 21 Jahre später die rechtsufrige Eisenbahn über Oberwil und Walchwil eröffnet wurde, benutzten die zahleichen Rigi-Touristen ab nun die Bahn nach Arth und der Schiffsverkehr brach zusammen. Die damalige Betreiberin DGV, die auf dem Vierwaldstättersee tätig war, liess das «Filetstück» der Zugersee-Flotte, die «Helvetia», nach Buonas fahren. Dort wurde es zerlegt und die Schale in Sektionen auseinandergeschnitten. Mit Ross und Wagen dislozierten dann die Teile inklusive Dampfmaschiene und Dampfkessel nach Luzern, wo das Schiff wieder zusammengebaut und zudem verlängert wurde. Als «Winkelried» fuhr das Schiff noch bis 1954.

Eine weite Europareise hat das seit 2001 auf dem Zugersee fahrende MS Schwan hinter sich. Um 1920 herum gebaut kam das Hamburger Barkassenschiff 1923 als «Morgarten» auf den Ägerisee. Hier erschien das Boot als zu unwirtschaftlich, sodass die BLS dieses nach dem Auflösen der «Schiffahrtsgesellschaft auf dem Ägerisee» für den Thunersee kauft. 1949 kam es dann als «Harder» auf den Brienzersee, wo es um 2000 nicht mehr gebraucht wurde. Die SGZ konnte dann das Bijou erwerben und taufte es «Schwan» – in Erinnerung an die legendäre «Schwan» I, die von 1921 bis 1978 der Zuger Bevölkerung in Erinnerung geblieben ist.

Weiss man, wie die erste Saison der Dampfschifffahrt verlief?
Der Start der Zugersee-Dampfschifffahrt am 14. Juni 1852 war durchaus erfolgreich. Zum einen profitierte das Unternehmen von der Neuheit eines Dampfschiffes, das bei der Bevölkerung grossen «Gwunder» auslöste. Zum andern führten die Feierlichkeiten zum 500-jährigen Beitritt Zugs zur Eidgenossenschaft zu grossen Besucherströme nach Zug. In den ersten Betriebsjahren gab es bloss in Zug (Platzwehri, heute Landsgemeindeplatz), Immensee und Arth eine Landungsbrücke. Die anderen Orte wurden «auf Reede» bedient; d.h. die Passagiere gelangten per Ruderboot zum im See draussen wartenden Schiff. In den ersten fünf Jahren zählte man über 100'000 beförderte Personen, die einen Reingewinn von 53'933 Franken einbrachten.

Im Zugerischen Kantonsblatt Nr. 24 vom 12. Juni 1852 spürt man diese Anfangseuphorie: «Nicht nur der Omnibus-Dienst nach Horgen, sondern auch ein solcher von Immensee nach Küssnacht wurde eingeführt, so dass nun die Möglichkeit besteht, nach Zürich oder Luzern zu fahren, dort die Geschäfte zu machen und am gleichen Tag wieder zurückzukehren.» Was heute so selbstverständlich erscheint, war diese Möglichkeit erst durch die Einführung der Dampfschifffahrt auf dem Zugersee möglich. Die Eisenbahnlinien gelangten erst 12 Jahre später an den Zugersee, was dann ein zweiter Raddampfer notwendig machte.

Gibt es nachweislich Dokumentationen, wann die Gastronomie auf dem Schiff eingeführt wurde?
Ein gastronomisches Angebot in Form von Getränken und Sandwich gab es seit dem Bau des MS Rigi 1904. Es gibt Intérieur-Bilder des Schiffes, die ein kleines Buffet zeigen. Eine Gastronomie, wie es heute die Kundschaft wünscht, geht auf das Jahr 1978 zurück, als die beiden Schiffe Zug und Schwyz in Betrieb kamen. Wie oben erwähnt war die fehlende Bordgastronomie mit ein Beweggrund, die alten Schiffe Schwan und Rigi auszurangieren. Eine Pionierrolle kam dabei der WALIRAWI zu, ein Verbund von vier Restaurants von Buonas und Cham. Der Zugersee war zusammen mit dem Basler Rhein der erste in der Schweiz, die auf Frühstücksfahrten setzten und damit grossen Erfolg hatten. Die bald darauf eingeführten Abendfahrten mit Buffets an Bord wurden in einem der vier Restaurants vorbereitet und dann in Form eines Catering auf die beiden Schiffe gebracht.

Wieso denken Sie, ist die Schifffahrt auf dem Zugersee nicht wegzudenken?
Der Erholungswert einer Zugersee-Fahrt gehört zum Freizeitangebot der Zuger Bevölkerung wie der Zugerberg, die Bäder am See und die grosszügigen Waldflächen. Die Schifffahrt des Zugersees gehört also mit zu einem wesentlichen Standortvorteil des Kantons Zug, hier zu wohnen und zu arbeiten. Ausserdem liegt der See in einer reizvollen Landschaft: im Obersee ist man mitten in den Voralpen, im unteren Teil voll im Mittelland mit naturnahen und parkähnlichen Ufern. Nicht zu vergessen: eine Schifffahrt bedeutet auch ein Zugang für alle Bevölkerungsschichten zu Naturerlebnissen, Freizeit und Erholung.

Geschichte

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125 Jahre

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